Für uns Berliner ist die DSAM in Magdeburg mit einer rapiden Anreise verbunden. Also ideale Bedingungen für eine gemeinsame Vereinsfahrt. So machten sich insgesamt 21 Mitglieder auf den Weg.
Für mich persönlich begann das Turnier holprig. Mein Kopf war voller lähmender Detailfragen, und die Partien fühlten sich schwer und träge an. In diesem Turnier rückten die Endspiele für mich besonders in den Mittelpunkt. Selbst vorteilhafte Stellungen waren für mich schwer zu verwerten.
Das Schönste an dieser Fahrt war jedoch das gemeinsame Abendessen mit anschließendem Songtitelraten und Schachtandem. Auf diese Weise lernte man viele Vereinsmitglieder besser kennen. Die entspannte Stimmung lockerte mein verbissenes Gemüt spürbar auf. So gelang mir am Ende doch noch ein versöhnlicher Abschluss. Jedoch zu spät. Am Ende gebe ich mit zwei aus fünf Punkten zufrieden. Viel wichtiger war ohnehin die schöne gemeinsame Zeit.
Für einen unserer Trainer wurde die Fahrt zu einer wertvollen neuen Erfahrung. Statt selbst zu spielen, konnte er sich ganz auf die Rolle als Beobachter, Trainer und Unterstützer konzentrieren. Ein wahrer Mentor also. So verfolgte er die Partien unseres Nachwuchses und der Jugendlichen aus nächster Nähe und konnte sehen, wie weit sie bereits sind. Die Nachwuchsarbeit so intensiv mitzuerleben war spannend und bereichernd, weil sonst sonst die erste Mannschaft in seinem Fokus steht.
Für eine Mutter, die zur Unterstützung ihrer Kinder mitgereist war, wurde das Wochenende zu einem eigenen kleinen Abenteuer. Kurz vor Turnierbeginn entschied sie sich spontan, beim Anfängerinnenturnier mitzuspielen. Eine ideale Gelegenheit für einen Turniereinstieg und ihr Vorwissen anzuwenden. Ihre Partien waren abwechslungsreich und emotional. Ein großer Motivationsschub war ihr Sieg in der Auftaktpartie mit Weiß, der ersten überhaupt. In der dritten Runde konnte sie sogar das erlernte Treppenmatt anwenden. Zwischenzeitlich gab ihre Tochter wertvolle Tipps. Am Ende erreichte sie 2 aus 4 Punkten und landete damit genau in der goldenen Mitte. Beim nächsten Mal ist sie sicher wieder dabei, auch wenn der Puls zwischendurch höher stieg als bei einem Wettlauf.
Das 38. Äskulap Turnier. Das sollte es also werden. In Anknüpfung an “alte” Tradition ging es für uns über die Osterferien nach Görlitz. Wer ist uns? Nun in erster Linie unsere Jugendlichen Oksana, Justus, Adrian, Erik und Leon. Für den höheren Altersdurchschnitt sorgten dann Jaro, Silvio und Richard.
Unsere Reisegruppe in Görlitz für das 38. Äskulap Turnier
Für unsere Jugenlichen war es das 1. “auswärtige Turnier”, weshalb wir euch umso mehr im Folgenden auf unsere Reise mitnehmen wollen. Da der Artikel für eine Person viel zu viel Aufwand bedeutet hätte, haben wir die Tage aufgeteilt. Nun genug der Vorworte, auf geht’s in den ersten Tag!
Der 1. Tag des Äskulap Turniers in Görlitz – Anreise und 1. Runde
[Jaro & Leon] Zunächst kam es zu Verzögerungen, als eine Regionalbahn ausfiel und wir dadurch später als geplant die Reise antreten konnten. Doch auch nach unserer Abfahrt wurden wir weiter aufgehalten, als aufgrund der Entschärfung einer Weltkriegsbombe unsere Ankunft weiter verzögert wurde. Trotz dieser unvorhergesehenen Zwischenfälle gelang es uns, die gute Stimmung aufrechtzuerhalten, indem wir die Zwischenzeit im Zug mit einigen Runden Skat überbrückten.
Hier wird noch gegrübelt welcher Spielzug wohl der Beste ist
Ehe dann das Ass weggestochen wurde 😉
Dass wir den Anschlusszug verpassten machte uns auch nichts aus, dafür nutzten wir die Zeit, um uns zu stärken.
Nachdem wir endlich in Görlitz angekommen waren und immer noch genug Zeit hatten, nutzten wir die Gelegenheit, um ein Gruppenfoto zu machen und den Beginn unseres Schachabenteuers festzuhalten.
Auf dem Weg zum Spiellokal erkundeten wir auf dem Weg zu unserer Unterkunft die Straßen von Görlitz und nach unserer erfolgreichen Registrierung, bereiteten wir uns auf den Turnierstart vor. Die erste Runde des Schachturniers begann circa zwei Stunden nach unserer Ankunft um 17 Uhr.
Gespielt wurde im beschleunigten Schweizer System, was dafür sorgte, dass der Unterschied in der Spielstärke an allen Brettern gar nicht mal so groß war, im Vergleich zum normalen Schweizer System. Nicht weniger erfreulich war es für Erik einen halben Punkt gegen seine fast 200 Punkte stärkeren Gegnerin herauszukämpfen. Umso ärgerlicher war es aber bereits in der ersten Runde die erste Vereinspaarung zu bekommen. Unglücklicherweise wurde Adrian gegen Leon gelost, wobei Adrian sich als nomineller Favorit durchsetzen konnte.
Der 2. Tag des Äskulap Turniers in Görlitz
[Silvio] Die erste Nacht ging sehr schnell vorbei und der Schlaf war nicht gerade optimal. Dennoch standen wir wie geplant um 7:00 Uhr auf und freuten uns auf das Frühstücksbuffet. Dieses konnten wir in unserer Pension für 12€ dazubuchen, was von uns auch fast alle taten. Die Auswahl an Essen war ausreichend und stärkte uns für den langen Spieltag mit Doppelrunde.
[Adrian] Nachdem schon am Vortag zwei Spieler unseres Vereins aufeinandergetroffen sind, war es ein Schock zu erfahren, dass ich gegen Silvio spielen musste. In der Eröffnung bekam Silvio schon einen leichten Vorteil, da ich die Variante verwechselte und daher nicht die präzisesten Züge spielte. Etwas später gewann Silvio einen Bauern mit einer Taktik, die ich übersehen habe. Silvio gewann, indem er mit einer Taktik einen weiteren Bauern gewann und es dann locker und souverän beendete.
[Silvio] Damit ihr wisst, wovon Adrian geschrieben hat, zeigen wir euch im Folgenden ein paar Partiefragmente.
Hier entschied sich Adrian dafür, seinen Springer nach b6 zu stellen, um meine Figuren etwas einzuschränken. Der Haken war jedoch, dass nach 1.Sb6 Tad8 2.c3 Sxa5 möglich war und der erste Bauer verloren ging. Somit war diese Idee nicht so gut. Besser wäre es gewesen, sofort 1.c3 und dann d3 zu spielen. Dann wäre der a5-Bauer noch gut zu verteidigen gewesen. Aber so hatte ich einen bequemen Vorteil und konnte Adrian, der zum Ende der Partie nur noch zwei Minuten auf der Uhr hatte, durch folgende Kombination den zweiten Bauern abjagen.
Nachdem der dritte Bauer etwas später auch noch verloren ging, gab Adrian dann auf.
[Adrian] In der Mittagspause waren wir etwas essen und kauften uns Trinken für die nächsten Partien.
In der 2. Partie des Tages traf ich leider wieder auf einen sehr starken Gegner, der mich langzeitig mit einem Bauern mehr im Endspiel besiegte.
Für mich gab der Tag keine guten Ergebnisse her, aber ich habe sehr viel gelernt, in dem wir uns die Partien danach angeschaut und analysiert haben.
[Silvio] Das Reisgericht beim Asia-Imbiss in der Mittagspause ist mir nicht ganz so gut bekommen. Die anderen hatten mir ihrem Döner alles richtig gemacht. Das erschwerte mir die Nachmittagsrunde ein bisschen. Dennoch gab es auch in der Partie wieder Fehler, die taktisch ausgenutzt werden konnten. Ich spielte gegen einen Jungen mit einer Wertungszahl von ungefähr 1200 DWZ. Durch das beschleunigte Schweizersystem sollten in den nächsten Runden weiterhin solche großen DWZ-Unterschiede bei den Paarungen für die meisten Spieler vorkommen. Das ist natürlich für unseren aufstrebenden Nachwuchs ein großer Vorteil, gegen deutlich DWZ-stärkere Spieler antreten zu können. Für mich war es jedoch andersherum, sodass dieses Turnier für mich nicht so reizvoll war. Aber kommen wir zur dritten Runde. Ich konnte die Partie in 23 Zügen für mich entscheiden. Die folgende Diagrammstellung hat sich nach dem elften Zug ergeben.
Weiß am Zug
Ich entschied mich für eine aggressive Fortsetzung, weil ich mit taktischen Fehlern des Gegners rechnete.
Ich spielte 1.g4, allerdings wäre auch 1.Da4 dxe4 2.dxe4 += ganz gut gewesen, woran ich auch überlegt hatte. Mein Gegner hätte nach 1.g4 lieber gleich 1. … Lg6 antworten sollen. Dann hätte er nur den e5-Bauern verloren. Aber er entschied sich für weitere Verwicklungen, was sich zu seinem Nachteil wendete. Es kam in der Partie 1. g4 dxe4 2.Sxe5 Te8? 3.d4 Ld6 4.gxh5 Lxe5 5.dxe5 +-. Allerdings haben wir beide nicht die besten Züge gespielt. Im zweiten Zug wäre 2.Sxe4 für mich deutlich besser gewesen. Und für meinen Gegner wäre 2.Sxe5 Lg6 noch im Ausgleichbereich. Aber gut, wir sind keine Maschinen und daher holte ich den Pflichtsieg.
Am Abend waren wir noch gemütlich beim Italiener Casanova Pizza bzw. Pasta essen. Nebenbei wurde wieder Skat gespielt. Jaroslaw’ Initiative das Kartenspiel anderen beizubringen hatte vollen Erfolg. Ganz begeistert dabei waren Erik und Adrian, die vor der Fahrt schon ziemlich gut Skat spielen konnten. Aber auch Justus hatte Gefallen an dem Spiel gefunden und Oksana und Leon waren zumindest interessiert die Regeln zu lernen.
Nach dem Restaurantbesuch war es inzwischen schon fast 22:00 Uhr und die Auslosung stand online. So konnten wir uns in unserer Unterkunft Picobello auf die Gegner der vierten Runde vorbereiten. Anschließend fiel uns das Einschlafen nach diesem langen Tag gar nicht mehr schwer.
Der 3. Tag des Äskulap Turniers in Görlitz
[Oksana & Erik] Der Freitag des Opens startete mit weiteren für den Verein unerfreulichen Nachrichten: es gab erneut eine Vereinspaarung mit Jaroslaw gegen Oksana. Die beiden spielten ein interessantes Remis.
Das Geschwister-Duell – Mit einem sehr schön ausgekämpftem Remis als Ergebnis
Adrian und Richard holten beide 1,5 von 2 Punkten.
Außerdem war dieser Tag für einige unserer Spieler der finale Spieltag, da sie am Samstag schon ihr nächstes Turnier vor sich hatten. So schlossen hier Leon, Silvio und Jaroslaw mit 2, 3 und 3,5 aus 5 Punkten ihr Turnier erfolgreich ab.
Am Abend entschieden wir uns als Verein ein tolles Abendbrot zu organisieren und fanden ein ansprechendes Restaurant. Der Tag wurde dann mit Blackstorys und Skat abgeschlossen.
Der 4. Tag des Äskulap Turniers in Görlitz
[Justus] Am 4.Tag beginnt die Runde eine halbe Stunde eher als die Tage davor, es heißt also früh aufstehen und sich auch noch von Silvio, Jaro und Leon verabschieden, die schon früh abreisen, um am OQT bzw. an der M-Klasse teilzunehmen.
In der 6. Runde holt Justus ein schnelles Remis gegen einen stärkeren Gegner und Adrian holt in einem eigentlich verlorenen Endspiel ebenfalls ein Remis gegen eine stärkere Gegnerin.
Das Highlight der Runde ist jedoch Richard’s Partie gegen GM Igor Glek: Richard kommt in einer sehr starken und spannungsgeladenen Partie sogar in ein Endspiel mit großen Siegchancen, das er jedoch nicht verwerten kann und somit ein sehr gutes Remis holt.
Die 7. Runde bildet einen eher mittelmäßigen Abschluss des Turniers, da Richard und Justus zwar gegen jeweils deutlich schwächere Gegner gewinnen, sonst jedoch keine weiteren Punkte für den SV Mattnetz verbucht werden können.
Findet Ihr einen Plan für Schwarz?
Weiß droht nicht wirklich etwas auf der A-Linie nach Sd7! Zugleich macht Sd7 das Feld f6 frei und es geht dem weißen König an den Kragen. Da Richard und Glek hier beide in Zeitnot waren wollte Richard die Stellung möglichst kompliziert halten. Nach der Zeitnot und etwas Materialtausch stand es dann folgendermaßen:
Was sollte Schwarz hier spielen?
Richard spielt zwar gegen das Läuferpaar, gewinnt aber in den nächsten Zügen den d3 Bauern und kann sich einen entfernten Fraibauern auf der B-Linie bilden. Leider zog Richard hier … f6 , womit der weißfeldrige Läufer wieder ins Spiel kommt. Mit Ke6 hätte er weiterhin auf Gewinn spielen können. Das Endspiel war nach f6 trotz Mehrbauer leider nicht zu gewinnen.
Am Ende des Tages kann sich Richard nach einem starken Turnier und 5/7 Punkten sogar den 13. Platz und einen Preis bei der Siegerehrung sichern.
Nach der Siegerehrung kam der “heilige Abschlussabend”. Hierbei ließen wir das Turnier ausklingen und genossen den Abend mehr oder weniger schachlich. Justus wurden die Regeln des Texas Holdem Poker beigebracht und dann konnte es bei genüßlicher Pizza auch schon losgehen.
Nachdem es anfänglich für Oksana sehr gut lief, hatte doch Erik am Ende das glücklichere Händchen und verbuchte die meisten Chips. Da es nun schon weit nach 0 Uhr war und der Tag ja schon früh begonnen hatte, fiel uns das Einschlafen nicht sehr schwer. Schließlich sollte es am nächsten Tag nach dem Frühstück auch schon leider wieder zurück gehen.
Der 5. Tag des Äskulap Turniers in Görlitz – Der Abschied
[Richard] Nach dem Frühstück hieß es Sachen packen und den Heimweg antreten. Da Jaro, Silvio und Leon bereits die 1. Runde des OQT bzw. M-Klasse hinter sich hatten und Adrian zu seinen Großeltern aufgebrochen war, war die Reisegruppe schon stark zusammengeschrumpft. Da vermutlich der letzte Abend inklusive einer kurzen Nacht seinen dem ein oder anderen in den Knochen lag, wurde die Rückfahrt hauptsächlich mit dem Nachholen von Schlaf gewidmet. Glücklicherweise blieb uns die Erfahrung aus dem Hinweg erspart, sodass die Züge pünktlich fuhren und auch der Umstieg reibungslos funktionierte.
Insgesamt war das Turnier für die meisten sehr gelungen. So konnte Mattnetz insgesamt ein DWZ Plus von 169!!!! verbuchen 🙂 Aus Betreuersicht können wir abschließend sagen: Es war eine angenehme Fahrt mit euch! Dazu stimmten noch die Ergebnisse, sodass sich die Jugendlichen auf Ihrer ersten Auswärtsfahrt auch noch mit reichlich DWZ Punkte belohnen konnten.
[Oksana, Jaro, Adrian, Justus, Erik, Leon, Silvio & Richard]
Vom 30.03. – 07.04.2024 findet die Berliner Einzelmeisterschaft 2024 (M-Klasse) und das Qualifikationsturnier (QT) statt und unser Verein überträgt, wie schon in den letzten Jahren, die ersten 8 Bretter der M-Klasse Live in die ganze Welt.
Wie bereits in den letzten Jahren übertragen wir die Partien auf unserer Seite über Chess.com, Lichess.org und Chessbase. Weiter unten in diesem Beitrag oder rechts bei den Widgets findet ihr die Live Übertragung ebenfalls. Die Partien werden mit 10 Minuten delay übertragen.
Die Übertragung startet am 30. März 2024 um 17:00 Uhr!
Terminplan:
1. Runde: Samstag, 30.03.3024 um 17:00 Uhr ACHTUNG: von Samstag auf Sonntag werden die Uhren eine Stunde vorgestellt 2. Runde: Sonntag, 31.03.2024 um 17:00 Uhr 3. Runde: Montag, 01.04.2024 um 17:00 Uhr 4. Runde: Dienstag, 02.04.2024 um 17:00 Uhr 5. Runde: Mittwoch, 03.04.2024 um 17:00 Uhr 6. Runde: Donnerstag, 04.04.2024 um 17:00 Uhr 7. Runde: Freitag, 05.04.2024 um 17:00 Uhr 8. Runde: Samstag, 06.04.2024 um 17:00 Uhr 9. Runde: Sonntag, 07.04.2024 um 10:00 Uhr
Einige Mitglieder aus unserem Verein spielen über Ostern in Görlitz beim Aeskulap-Open mit und da sie nicht rechtzeitig zur Runde 1 in Berlin wären, dürfen Sie am QT bzw. der M-Klasse ab Runde 2 nicht teilnehmen.
Mattnetz erreicht fulminant das Achtelfinale und kann weiter vom Titel träumen
Die Spieler des SV Mattnetz Henrik, Georg, Viktor und Richard (v.l.n.r.)
Deutscher Mannschaftspokal? Was ist das denn nun wieder? Wem das gar nichts sagt, dem empfehlen wir zunächst diesen Beitrag zu lesen, um unsere Reise von Beginn an zu verfolgen. Insbesondere die Besonderheit der Berliner Wertung für den Fall eines Unentschieden (2:2) solltet ihr abermals im Hinterkopf behalten 😉
Nachdem also der Berliner Pokal in der Tasche war ging es nun darum, sich auch überregionalen mit anderen Vereinen zu messen. Hierfür erwischten wir die Gruppe um den SC Oranienburg, SG Aufbau Elbe Magdeburg und SAV Torgelow-Drögeheide 90. Das Format gestaltet sich hierbei wie folgt: Einer der Vereine ist Ausrichter der Begegnungen. Am Spieltag wird dann gelost, wer gegen wen spielt. Die jeweiligen Sieger spielen dann gegeneinander. Wer hier gewinnt kommt weiter und steht im Achtelfinale des Deutschen Mannschaftspokals.
1. Tag: SAV Torgelow-Drögeheide 90 – Mattnetz Berlin
Ausrichter war in unserem Fall der SC Oranienburg. Hier machte uns der Bahnstreik etwas zu schaffen, da es ohne Auto recht schwer werden würde, nach Oranienburg zu kommen. Es wurde also kurzer Hand eine Fahrgemeinschaft ins Leben gerufen und die Fahrt für die beiden Begegnungen am Samstag und Sonntag (27.01. & 28.01.) waren gesichert. Den ersten “Notfall” hatten wir schon vor Rundenbeginn: Viktors Bahnfahrer entscheid sich kurzfristig doch noch dem Streik beizuwohnen, sodass die Fahrgemeinschaft spontan einen Abstecher an die U9 machen musste, um Viktor einzusammeln. Selbstbewusst ging es nun also zu 4. nach Oranienburg, wo wir die zwei Tage spielen wollten.
Wir mussten erstmal den ersten Tag gewinnen, um auch den zweiten Tag spielen zu können. Mit SG Aufbau Elbe Magdeburg hatten wir einen sehr starken Gegner in unserer Gruppe. Wir hofften daher für den ersten Tag auf einen der anderen Mannschaften. Und so kam es auch. Am Samstag kurz vor Rundenbeginn sagte das Los: SAV Torgelow-Drögeheide 90 – ein machbarer Gegner. Nach einer kurzen Beratung des Teams stand dann auch kurzerhand unsere Mannschaftsaufstellung:
Georg mit Weiß an Brett 1 (Ersteller Frank Hoppe)Richard mit Schwarz an Brett 2 (Ersteller Frank Hoppe)Viktor mit Schwarz an Brett 3 (Ersteller Frank Hoppe)und Henrik mit Weiß an Brett 4 (Ersteller Frank Hoppe)
Erwartungsgemäß standen wir an unseren Weißbrettern etwas besser und an den Schwarzbrettern etwas passiver. Georg war der erste, der remisierte. An den Schwarzbrettern drehte es sich allmälig zu unseren Gunsten und an Brett 4 baute Henrik seinen Vorteil kontinuierlich aus. Vitktor brachte uns dann erstmals durch seinen Sieg in Führung. Auch auf Richard’s und Henrik’s Brett sah die Sache sehr gut für uns aus. Henrik holte schlussendlich als erster den notwendigen Punkt für den 2,5:0,5 Zwischenstand und sorgte für die Vorentscheidung. Leidglich Richard kämpfte nun noch. In der Zeitnotphase verwandelte er leider seine gewonnene Stellung in eine Remisstellung, sodass es nach 4,5h schlussendlich hieß: Sieg für Mattnetz mit 3:1 gegen SAV Torgelow-Drögeheide 90. Die andere Begegnung gewann ebenfalls der Favorit sodass die Begnung für Sonntag hieß: SG Aufbau Elbe Magdeburg vs. Mattnetz Berlin.
2. Tag: SG Aufbau Elbe Magdeburg – Mattnetz Berlin
Da Viktor am Sonntag nicht spielen konnte, sprang Oliver für ihn ein. Nun musste nur noch geklärt werden, wer an welchem Brett spielen würde. Denn anders als in der BMM kann man für jede Runde neu aufstellen. Professionell, wie man es von Mattnetz gewohnt ist, wurde dies auf dem Heimweg irgendwo auf der A111 durch die Beifahrer in einem Telefonat mit Oliver geklärt. Wir einigten uns darauf: Henrik mit Weiß an 1, Georg mit Schwarz an 2, Richard mit Schwarz an 3 und Oliver mit Weiß an 4.
Nach einer etwas zu kurzen Nacht ging es motiviert erneut nach Oranienburg um SG Aufbau Elbe Magdeburg die Stirn zu bieten. Erneut zeigte sich die Weitsicht und Professionalität des SV Mattnetz bereits auf der Autofahrt. Die Zeit wurde hier nicht etwa verschwendet, sondern intensiv für die Vorbereitung genutzt! Richard, auf dem Beifahrersitz mit seinem Laptop bewaffnet, bereitete sich und gegen Ende auch noch den Fahrer Oliver vor. Für Oliver sollte sich dies als nützlich erweisen, denn bei ihm sollte es später genau so kommen.
Da auch unsere Gegner ihre Auftsellung frei ändern konnten, erfolgte die Ernüchterung, als wir die Aufstellung unserer Gegner sahen. Vorn kam zwar alles wie erwartet, an Brett 3 und 4 tauschten unsere Gegner allerdings, sodass unsere Autofahrt-Vorbereitung dahin war. Olivers Gegner spielte allerdings das exakt selbe System wie der, gegen den wir uns ursprünglich vorbereitet hatten 🙂
An Brett 1 spielte Henrik mächtig einen auf. Er hatte früh einen sehr großen Zeitvorteil und eine sehr angenehme Stellung. An Brett 2 hielt Georg mit Schwarz sehr gut dagegen, sodass es hier sehr ausgeglichen stand. Richard an Brett 3 kam gut aus der Eröffnung heraus, übersah dann etwas und musste einen Bauern für Kompensation opfern. Aber auch hier war noch lange nichts entschieden. Oliver an Brett 4 stand mit Weiß sehr angenehm und zog die ersten Züge sehr schnell, da er ja auch in seiner Vorbereitung war. Leider unterschätzte Oliver das dynamsiche Gegenspiel seines Gegners, sodass es nach ca. 3 Stunden 1:0 für SG Aufbau Elbe Magdeburg stand. An unseren Schwarzbrettern (Georg und Richard) tat sich weiterhin recht wenig, sodass hier zunächst mit einem Remis zu rechnen war. Henrik an Brett 1 hatte inzwischen eine Qualität mehr und es war bloß eine Frage Zeit, bis er uns den Augleich bescheren würde. In der Zwischenzeit stand Richard sogar auf Gewinn, vergab den Vorteil aber leider wieder in Zeitnot, sodass sich sein Gegner am Ende durch ein Dauerschach retten konnte. Es stand somit 0,5:1,5 gegen uns. Kurze Zeit später gewann dann Henrik und glich für uns aus! Es stand 1,5:1,5. Lediglich Georg spielte noch ein sehr remislastiges Turmenspiel. Sollte er Remis machen würde es 2:2 stehen und man müsste auf die Berliner Wertung schauen. Da wir an Brett 1 gewannen und unsere Gegner an 4, würden wir die Berliner Wertung damit gewinnen. Dies war unseren Gegnern natürlich bewusst, weshalb Georg’s Gegnerin lange versuchte, dass Turmendspiel doch noch irgendwie zu gewinnen. Aber unser Routinier für Turmenspiele lies hier nichts mehr anbrennen! Er holte nach 5,5 Stunden das wohlverdiente Remis und machte damit die Sensation klar…
MATTNETZ STEHT DAMIT ERSTMALS IN SEINER VEREINSGESCHICHTE IM ACHTELFINALE DES DEUTSCHEN MANNSCHAFTSPOKALS!
Wenn das für euch unglaublich klingt, keine Sorge, so ging es uns zunächst auch. Wir verabschiedeten uns vom Ausrichter des SC Oranienburg, bedankten uns für das wirklich schöne Spiellokal und machten uns auf den Heimweg. Uns allen war allerdings klar, dass ein solcher Tag gebührend gefeiert werden muss. Nachdem sich glücklicherweise genug Stimmen gegen McDonalds fanden, fiel die Wahl auf einen anderen Burgerladen. Hier ließen wir den Tag ausklingen und fingen so langsam an zu realisieren, was heute passiert ist
Das verdiente Siegeressen
Nicht zuletzt bleibt mir noch zu sagen:
Danke Jungs, Danke für dieses Wochenende! Wir haben stark gespielt und haben etwas erreicht, was vorher immer nur spaßeshalber von uns in den Raum geworfen wurde “[…] dann kommen wir vielleicht ins Achtelfinale”. Wir haben an diesem Wochenende Vereinsgeschichte geschrieben! Und die Reise ist noch nicht vorbei!
SV Mattnetz ist auch der Ausrichter für das anstehende Achtel- und Viertelfinale. Am 09. + 10.03.2024 geht es die Reise im Rathaus Treptow weiter. Dann dürfen wir die Schachfreunde Berlin sowie den Heilbronner SV und die Schachfreunde Deizisau begrüßen. Merkt euch also dieses Datum schon mal vor 😉
Vom 14.-21.08.23 fand neben der Offenen Deutschen Einzelmeisterschaft auch die diesjährige Deutsche Einzelmeisterschaft der Frauen statt. Nachdem der Meisterschaftsgipfel, in dessen Rahmen die letzten Jahre auch immer die deutschen Meister ausgespielt wurden, abgesagt wurde, musste neben der Zeit auch kurzfristig der Ort geändert werden. Anstelle von Magdeburg spielten wir deshalb in einer Sporthochschule in Ruit (in der Nähe von Stuttgart). Durch eine ICE-Direktverbindung war die An- und Abreise dennoch relativ entspannt.
Es war meine erste geschlossene deutsche Meisterschaft, die ich mitspielen durfte, nachdem ich mich im Mai als Berliner Meisterin qualifiziert hatte. Dadurch waren aber auch die dortigen Spielverhältnisse noch ungewohnt für mich. Während zum einen an allen Tischen mit DGT-Brettern gespielt wurde und aufgrund der Sofia-Regel bis zum 40. Zug kein Remisangebot erlaubt war, wurde man außerdem vor jeder Runde beim Betreten des Spielraumes mit einem Detektor (wie man sie vom Flughafen kennt) nach technischen Geräten abgesucht. Diese waren für Spieler und Besucher auch im ausgeschaltetem Zustand verboten. Die Sporthalle, welche als Spielsaal diente, war zwar von der Größe sehr gut zum Spielen ausgelegt, verfügte allerdings über keine Klimaanlage, was durch die sehr hohen Temperaturen (über 30 Grad) an mehreren Tagen zu bemerken war. Den Spielern standen aber durchgängig kostenlos Wasser (auch gekühlt), Obst und Riegel zur Verfügung, was ich als sehr positiv empfand.
Das Turnier an sich lief für mich okay. Ich habe am Ende mit 4/9 Punkten wieder genau meinen Startrang belegt und auch, wenn ich an einigen Stellen noch halbe Punkte abgegeben habe, kann ich aus ihnen sicherlich viel für die Zukunft mitnehmen.
So enstand auch direkt in meiner ersten Runde gegen Jana Bardorz ein kritischer Moment während der Zeitnotphase.
Ich hatte durch vernachlässigte Deckung einen Bauern verloren, wofür ich aber auf einer offenen Linie Gegenspiel mit meinen Turm erhielt. Da meine Gegnerin nach Elo-Bewertung klare Favoritin war, begann sie mit zwei Figurenopfern kurzfristig einen Königsangriff, um die Stellung kompliziert zu halten. Auch wenn dieser laut Computerbewertung mich in Vorteil brachte, konnte ich diesen aufgrund unserer beidseitigen Zeitnot nicht halten. Indem ich an einer Stelle nicht die richtige Verteidigung fand, verwandelte sich die gewonnene in eine Verluststellung, welche die Partie auch schnell zu Ende gehen lies.
In meiner zweiten Partie wurde ich gegen Ana-Maria Bursan gelost. Obwohl sie bezüglich ihrer Elo den niedrigsten Startrangplatz besaß, spielte sie deutlich stärker, sodass wir im Laufe der Partie beide die Möglichkeit erhielten, sie zu unseren Gunsten zu wenden. Schlussendlich wickelten wir aber in ein Turmendspiel ab, in dem ich durch einen Freibauern positionellen Vorteil besaß. Dadurch bin ich aber leider etwas unvorsichtig geworden und habe es doch noch zu einer Remisstellung verspielt.
In der 5. Runde spielte ich gegen Julia Walker. Diese Partie war von meiner Seite aus fast vollständig sauber, wodurch ich langsam eine angenehmere Stellung aufbauen konnte, die mir neben der Initiative auch einen Bauerngewinn einbrachte.
Mit weniger Zeit spielte meine Gegnerin hier 36. … Td7 und übersah eine schöne Taktik: 37. Dc4+ Ld5 38. Dg4 Txc7 39. Txc7
Die Partie endete schließlich nach 39. … g6 40. Sh6+ Kh8 41. Tc8
Neben dem Turnier hat mir besonders die Atmosphäre vor Ort sehr gut gefallen. Es war mein erstes Turnier, zu dem ich allein gefahren bin und auch vor Ort niemanden richtig kannte, allerdings kam man über die Woche mit vielen in guten Kontakt und konnte sich besonders beim Essen mit fast jedem mal unterhalten. Auch beim Billard und Tischkicker während der Grillabende, die an den Tagen mit Doppelrunden stattfanden, habe ich einige coole neue Leute kennengelernt.
Schlussendlich bin ich sehr glücklich, bei der DFEM dieses Jahr mitgespielt haben zu können, denn auch wenn ich meine persönlichen Ziele in diesem Turnier nicht ganz erreicht habe, waren die neuen Kontakte und Erfahrungen auf jeden Fall lohnenswert.